Vor einem Jahr habe ich meinen letzten Live-Kurs gegeben. Das Wochenende, das den Ausschlag gab: von neun Pferden waren fünf schwer krank.
Kein Einzelfall. Eine Studie von Greve & Dyson (2014) fand bei 506 Sportpferden im ganz normalen Training eine Lahmheits- oder Gangabnormalitätsrate von 45,7 % – bei Pferden, die niemand für auffällig hielt. Eine zweite Studie von Dyson & Pollard (2020) untersuchte 60 Reitpferde, deren Besitzer:innen sie als „arbeitet komfortabel“ einschätzten: 73 % davon waren lahm.
In dieser Folge erzähle ich, warum diese Zahlen meinen Blick auf Reitunterricht verändert haben – und warum ich seitdem zwischen drei Verpflichtungen navigiere, die sich gegenseitig widersprechen: dem Kunden gegenüber, dem Pferd gegenüber, und dem Anspruch, dass jedes Pferd ausgebildet werden muss. Keine fertige Lösung, sondern der Anfang eines neuen Gesprächs – über Ganganalyse, Stabilität und was klassisches Training braucht, um wieder auf einem tragfähigen Fundament zu stehen.
Quellen: Greve, L., & Dyson, S. J. (2014). Equine Veterinary Journal, 46(6), 687–694. doi.org/10.1111/evj.12222 · Dyson, S., & Pollard, D. (2020). Animals, 10(6), 1044. doi.org/10.3390/ani10061044